Befragung der Stille (bis 11. März 2018)

Gezeichnete und gewebte Arbeiten von Elena Engel, Barbara Meisner und Gabriele Lauble
10. November 2017 19:00 Uhr bis 10. März 2018 18:00 Uhr

Die Künstlerinnen Elena Engel, Barbara Meisner und die vor zwei Jahren leider verstorbene Gabriele Lauble lassen uns auf ihren Arbeiten aus Papier und Stoff an ihren Schritten in den inneren Raum der Stille teilhaben. Stille ist nicht die Abwesenheit von Allem, sondern die Möglichkeit, sich in einen Resonanzraum hineinzubewegen, der uns die Möglichkeit gibt, feineren Spuren nachzugehen, als es uns der Alltag üblicherweise gestattet. Seien es die überaus zarten und doch ursprünglichen, gewebten Arbeiten Gabriele Laubles, die Befragung und poetische Durchdringung geschichteter Persönlichkeitsebenen Barbara Meisners oder die auf die innere Mitte des Menschen bezogenen Papierarbeiten Elena Engels: dass Stille eine in sich gefüllte Kraft ist, die uns einlädt, in ihr zu verweilen und sie zu befragen, wird in diesen Werken besonders sichtbar.

 

Im Zentrum der Arbeiten Elena Engels steht das Motiv des Gefäßes. Es bildet eine Membran zwischen Innen und Außen. Das Gefäß hält seinen Inhalt, gibt ihm Form, schützt und bewahrt ihn. Engels Gefäßformen entsprechen immer auch Körperformen. Der Körper, der unseren Wesenskern beinhaltet. Engel nimmt Kontakt auf: mit ihrer physischen Mitte, mit ihrem geistigen Zentrum. In früheren Arbeiten spielte das Pendel eine besondere Rolle. Das ist auch  in der Thematik der Gefäßformen noch deutlich spürbar. Stille ist bei ihr der Anfang für erneute Bewegtheit, die ihr das schöpferische Handeln erst ermöglicht. Insofern verlaufen Einkehr und künstlerische Arbeit parallel. Elena Engel studierte von 1969 – 1975 an der Kunstakademie Düsseldorf und hatte verschiedene Ausstellungen in ganz Deutschland.

 

Gabriele Laubles Werke sind aus Stoff, zumeist aus Seide gewebt. Sie bedient sich dabei einer der ursprünglichsten Methoden: der Brettchenweberei (engl. Tablet Weaving), für die es keines Webstuhles bedarf. Dem geringen Aufwand an technischen Hilfsmitteln steht ein enormer planerischer Aufwand gegenüber. Denn die komplizierten Muster müssen minuziös auf Millimeterpapier vorgezeichnet und in der Kennzeichnung der benutzten Brettchen (in ihrem Fall sind es Spielkarten) geplant werden. Der Beziehung Innen-Außen bei Elena Engel entspricht das Vorne-Hinten bei den Arbeiten Laubles. Denn es gibt keine dienende Rückseite wie beim gemalten Bild. Alles ist gleichwertig: das hintere Motiv überrascht genauso wie der Blick auf die Vorderseite. So geraten diese Stücke ganz von selber in eine Art von Schwebe. Der eigentlich angemessenere Zustand, ihre Kunstwerke zu betrachten wäre es, sie in die Hände zu nehmen und sowohl Vor- wie auch Rückseite anzusehen anstatt sie gerahmt zu betrachten. Das Arbeiten an solchen Pretiosen setzt quasi den Gang in die Stille voraus. Eine Art meditativer langer Atem ist vonnöten, denn in vielen ihrer Werke werden einzelne Stoffbänder zu großformatigen Kompositionen zusammengefügt. Gabriele Lauble studierte an der Werkkunstschule Münster, Abteilung Handweberei und erhielt 1997 den Staatspreis für das Kunsthandwerk in NRW, Werkbereich Textil. Sie starb im Juli 2015.

 

Barbara Meisners Werk geht eher vom kleinen Format aus und entfaltet sich rhizomartig. Ihre Blätter wuchern, suchen Verbindungen, schaffen ungeahnte oder bisher unbedachte Beziehungen. Rhizom aber auch, weil ihre Bilder im Untergrund ihren Anfang nehmen. Das Zu-Tage-Fördern spielt eine große Rolle. So kommt in dieser Ausstellung eine dritte Bewegung zum Tragen: von unten nach oben und zurück. Dem Brennstoff Kohle analog, dem „schwarzen Gold“, das geschürft und abgebaut wird, ist es menschliche Bestimmung, die seelischen Sedimente abzutragen, aus dem Dunkel ans Licht zu fördern und ins Bewusstsein zu heben. In den Bildern Meisners vollzieht sich Alchemie. Durch das Sichtbarwerden dunkler und verborgener Aspekte, verwandeln sich diese in feine geistige, zum Teil auch komische Gespinste. Somit schafft Meisner am ehesten eine Art Vorbereitung zur Stille. Denn es bedarf des Abtragens in der Vergangenheit liegender, ungeklärter Schichten, der Läuterung, wie es altmodisch heißt, um zur Ruhe bereit zu sein. Barbara Meisner ist Diplom-Kommunikationsdesignerin und studierte an der Diplôme National Supérieur avec Félicitation der Zeitgenössischen Kunst an der Villa Arson in Nizza. Im Jahr 1998 erhielt sie den Kunstförderpreis der Stadt Düsseldorf.

Eintritt frei

 

Die Künstlerin Barbara Meisner ist an folgenden Terminen im Maxhaus anzutreffen:

  • Samstag, 9.12. von 12-15 Uhr
  • Samstag, 16.12. von 16-18 Uhr
  • Samstag, 23.12. von 12-15 Uhr

 


Zurück